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Europa hautnah erleben

...  und hat dabei auch einen detaillierten Einblick in die verschiedenen Institutionen der Europäischen Union bekommen.

Auf die Schülerinnen und Schüler wartete ein volles und abwechslungsreiches Programm: Neben dem Europäischem Parlament, dem Rat und der EU-Kommission besuchten sie das „Haus der Europäischen Geschichte“, politische Stiftungen, die Deutsche Botschaft und den Ausschuss der Regionen. Das Besondere dabei: Die angehenden Abiturienten hatten die Studienfahrt eigenständig organisiert, Transfers und Unterkunft gebucht und das Programm eigenverantwortlich zusammengestellt. Kurslehrer Werner Völlering zeigte sich begeistert: „Es ist beeindruckend zu sehen, wie meine Schülerinnen und Schüler hier die Initiative ergriffen und ein anspruchsvolles Programm auf die Beine gestellt haben!“

Und so diente die Brüssel-Fahrt nicht nur der Abiturvorbereitung – das Thema Europa ist ein überaus wichtiges Inhaltsfeld im NRW-Zentralabitur – und der Stärkung des Zusammenhalts im Leistungskurs Sozialwissenschaften, sondern vor allem auch dem Verstehen von politischen Institutionen und Prozessen auf europäischer Ebene. Denn wenn von Entscheidungen von „Brüssel“ gesprochen wird, scheint oft unklar, wer genau damit überhaupt gemeint ist und wie Beschlüsse genau zustande kommen. Besonders interessierte die Schülerinnen und Schüler des Rupert-Neudeck-Gymnasiums die Meinung der Abgeordneten und EU-Beamten aus verschiedenen Mitgliedsstaaten und politischen Richtungen zu aktuellen europapolitischen Herausforderungen und zur Weiterentwicklung der Europäischen Union.

So machte Markus Pieper, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament und Abgeordneter für das Münsterland, in der Diskussion mit dem Sozialwissenschafts-Leistungskurs deutlich, dass es aus seiner Sicht momentan darum gehe, die Europäische Union in ihrem Bestand zu sichern und Schritt für Schritt konkrete Arbeit zu leisten. Dass die europäische Einigung nach zwei verheerenden Weltkriegen alles andere als selbstverständlich ist, wurde den Schülern beim Besuch des Hauses der Europäischen Geschichte deutlich. „Die Friedenssicherung war und ist die erste raison d’être der EU“, unterstrich ein Beamter aus der Generaldirektion Binnenmarkt der Europäischen Kommission. Gleichzeitig rückten durch den Brexit auch viele weitere Errungenschaften der EU wieder in das Bewusstsein von Bürgern und Politikern. Und wie die Europäische Union auch in anderen Mitgliedsstaaten konkret das Leben der Bürger verbessert, machte Christophe Rouillon, ein französischer Bürgermeister, beim Besuch des Leistungskurses im Ausschuss der Regionen deutlich.

So unterschiedlich die Visionen der Zukunft der EU sind – von einem „Europa der Regionen“ und einer Stärkung der Subsidiaritätsprinzips über eine verstärkte Zusammenarbeit auf Regierungsebene (Intergouvermentalismus) bis zu einer vertieften Integration mit Stärkung des Europäischen Parlaments und der Zielvorstellung der „Vereinigten Staaten von Europa“ – in einem waren sich die Referenten und Diskussionspartner des Leistungskurses Sozialwissenschaften einig: „Bei den Europawahlen Ende Mai steht viel auf dem Spiel. Gehen Sie wählen!“

Diesen dringenden Appell und viele intensive und konkrete Einblicke nahmen die Schülerinnen und Schüler mit nach Hause. Darüber hinaus nutzte die Schülergruppe aus Nottuln die Gelegenheit, sich mit führenden Beamten und Politikern über ihr internationales Arbeitsumfeld auszutauschen und auch das alltägliche Leben in Brüssel zu erkunden. Das Fazit war einschlägig: „Wir haben eine faszinierende Stadt kennengelernt – sie ist noch vielfältiger und beeindruckender als das Brüssel der Diplomaten und Lobbyisten, Journalisten und Spitzenpolitiker, das wir aus dem Fernsehen kannten!“ (Lukas Sydow, Q2)